Zeitnah mit Kendrick Lamar zu veröffentlichen ist ein
dickes Ding. Kendrick flext ordentlich was weg und bringt das wohl beste
Hörbuch seit Nas „Illmatic“ raus brachte. Der 21-jährige Earl Sweatshirt zeigt
sich davon aber wenig beeindruckt und veröffentlicht seinen Longplayer "I
Don't Like Shit, I Don't Go Outside". Er fischt in einem anderen Teich. Musikalisch
sehr minimal und düster gehalten. Keine Radio-Hits: Die Sonne von Kalifornien
scheint hier nicht. Es schleppt träge vor sich hin und wirkt in vielen Momenten
sperrig. Slow-Mo-Boombap. Fast alle Tracks hat er selber produziert. Nicht
immer mit überragender Soundqualität. Das passt dann wiederum zu den Lyrics. Die
Identität des Albums besteht aus Angst, Wut, Zweifel und Misstrauen. Verstecken
muss sich der Odd Future – Member damit nicht, aber grosse Lobenhymnen werden
ausbleiben. „IDLSIDGO“ bewegt sich jedoch souverän in seiner Nische und ist
damit ein weiteres relevantes Album innert kurzer Zeit aus Los Angeles.
Dienstag, 31. März 2015
Montag, 30. März 2015
Analog ist das neue Bio
In den letzten Jahrzehnten ging der Mensch durch eine rasante, technische Entwicklung. Jeder der heute irgendwo im Berufsleben steht, hat diese aktiv mitgemacht. Und wir sind ja durchaus empfänglich für die Annehmlichkeiten, die diese hervorgebracht hat. In diesem Buch geht Autor Andre Wilkins erst durch Chancen und Risiken des Digitalen, um anschliessend analoge Alternativen aufzuzeigen. Es geht um Sicherheit, um Ueberwachung oder der Ablösung des Menschen durch die Maschine. Wie weit ist digitale Logik bei uns schon durchgedrungen? Müssen wir in Zukunft voll digital durchmarschieren? Sind Nebenwirkungen wie Vereinsamungen oder Shitstorms tragbar? Vielleicht kann die Evolutionsmaschine Mensch Ideen und Strategien finden, um auch in Zukunft sozial und demokratisch leben zu können. Am Beispiel von Bio kann man sehen, wie wichtig Nischen für Veränderungsprozesse sein können. Ein unterhaltsames Buch und ein Plädoyer für die digitale Menschheit.
Samstag, 28. März 2015
Kritik von aussen
Das M4Music-Festival hat sich unter Musikschaffenden
als festen Treffpunkt etabliert. Ein grosser Melting Pot bestehend aus
Musiker, Künstlern, Vertreter von Labels und Musik-Firmen, Verlags – und
Medienmenschen, Bookers, Veranstalter und Musikliebhabern. Das Programm mit
Konzerten von Lo&Leduc, Mimiks, Bilderbuch, Jungle, Sohn und Zola Jesus ist
auch dieses Jahr wieder bestechend geschmackssicher. Vor dem Exil gibt es
zusätzlich Gratis-Konzerte von Nachwuchstalenten. Auf den ersten Blick
versprüht die Bühne dort wenig Charme, bietet den Acts aber eine vielbeachtete
Gelegenheit sich zu präsentieren können. Flankierend dazu runden die Conference
und die Demotape-Clinic den Event ab.
Im Rahmen der Conference wurden in einem Panel die
Chancen von Schweizer Bands im Ausland durchleuchtet. Einige streben dieses
expandieren gezielt an – viele scheitern jedoch daran. Was braucht es damit
Schweizer Pop-Musik im Ausland Erfolg hat? Zu diesem Thema diskutierten Jens
Balzer (Popkritiker aus Berlin und Rolling Stone-Kolumnist), Bahar Tozman
(führt in Hamburg ihre eigene Agentur und war davor jahrelang A&R bei EMI)
und der Schweizer Jean Zuber (Leiter Swiss Music Export). Auf Basis von
hierzulande aufstrebenden Bands wurde die Schweizer Szene analysiert und
kritisiert.
Eine typische Konzept-Band wie Kadebostany wurde zwar
einerseits gelobt für ihr Songwriting, aber andererseits kritisiert für die
fehlende Radio-Songstruktur. Also im Endeffekt fehlende
Mainstream-Zugänglichkeit und damit Probleme bei der Vermarktung. Nicht zu vergessen: Wir sprechen hier von immerhin 3 Millionen Youtube-Klicks. Wer
Kadebonstany schon live gesehen hat, weiss dass sie ein gute Show im Stile von
„Blasmusik trifft Elektropop“ bieten. Die Band schielt nach Frankreich und
Deutschland – eine vermutlich zu grosse Herausforderung meinten die beiden
Experten aus Deutschland. “Insgesamt ein zu niedlich-schlaffes Gesamtbild“ fand
Jens Balzer, der die Runde mit seiner schonungslos nüchternen Art bereicherte. Positiver im Ansatz wurden Klaus Johann Grobe und Puts Marie bewertet. Der Musik
wurde mehr Drive attestiert und in den besten Momenten können ihre Tracks für
positive Emotionen sorgen. Genau das wäre unter anderem wichtig für
internationale Vermarktbarkeit. Jean Zuber streute immer wieder positive Facts
ein und versuchte die Podiumsrunde positiv zu stimmen. Das gelang nicht wie
gewünscht. Unter dem Strich blieben Skepsis (Tozman) oder grosse Skepsis
(Balzer) übrig. Zuviele Schweizer Exporte die im Ausland eben grandios gescheitert
sind.
Deutlich am meisten Kritik hagelte es für die Musik
von Yokko. Stadion-Rock von der Ecke, der hoffnungslos überinstrumentiert sei. Für
den Pathos, der hier nötig sei, sei das Stimmvolumen des Sängers viel zu klein,
argumentierte Jens Balzer. Man mag ihn verstehen, teilweise fehlen hier auch Ecken
und Kanten. Bemerkenswert: Frontmann Adrian Erni stellte sich der Kritik und
sass im Publikum. Interessant ist die vorallem Wahrnehmung in diesem Zusammenhang. Im Inland hart gefeiert: Vor
einem Jahr erhielt die Band den begehrten Stein in der Kategorie „Best Talent“
bei den Swiss Music Awards. Von ausländischen Betrachtern jedoch scharf
kritisiert. Vielleicht ist dies gerade das Fazit, das Künstler, die im Ausland
reüssieren möchten, verinnerlichen sollten. Der Konsens als grosse Herausforderung.
Der Weg für internationalen Erfolg ist und bleibt für Schweizer Künstler
steinig.
Freitag, 27. März 2015
Im Bewusstsein gesellschaftlicher Probleme
Um die Jahrtausendwende hatte das Label Buback mit
„Bambule“ und „Deluxe Soundsystem“ zwei Alben veröffentlicht, die bis heute als
zeitlose Klassiker durchgehen. Der Mann hinter Buback ist der Maler und
Künstler Daniel Richter, der bis heute ein feines Gespür für Musik und ihre
kommenden Trends hat. Eigentlich ein Punk, der ursprünglich Plattencover für „die goldenen Zitronen“ gemalt hat. Und
auch schon für Jan Delay. Testo und Grim104 von Zugezogen Maskulin fanden das alles offensichtlich sehr spannend
und unterschrieben für das zweite, bzw.
erste offizielle, Album beim Hamburger Label. Ihr Name ist eine Referenz an die
Berliner Rap-Crews Westberlin Maskulin (Kool Savas und Taktloss) und Südberlin
Maskulin (Fler und Godsilla).
Auf „Alles brennt“ geht es um Themen wie
Globalkapitalismus, Ausländerhass und Gentrifizierung. ZM sind unbequem und
fordern ihre Zuhörer mit giftigen Zeilen heraus. Ihnen gelingt es jedoch gut
die gesellschaftlichen Verhältnisse zu beschreiben. In einigen Momenten ist
dann sogar grandios. Textlich sarkastisch und ironisch – mit linker und
antifaschitischer Einstellung. Auf dem Lande aufgewachsen und dann doch
irgendwann in Berlin gelandet. In der Heimat der Hipster wie Sie auf „Oranienplatz“ kritisch feststellen. In
einem Moment noch in der Szene-Bar und dann plötzlich auf einem
Flüchtlings-Camp. Auch „Agenturensohn“
dreht sich um das Leben bzw. Arbeiten in Berlin. Aber auch die Tristesse und
Ausweglosigkeit der ostdeutschen Jugend wird eingehend verarbeitet. „Guccibauch“ ist dann
kaptialismuskritisch und ein Seitenhieb an den Materialismus.
Meistens können die Produktionen, mit clubtauglichem
Trap-Sound, überzeugen. In manchen Momenten, bei 808-basierten Instrumentals,
kommt auch ein trashiger Touch dazu. Trotzdem stimmt die Soundverpackung mit
vielen dicken und kompromisslosen Bässen.
Ein eigenartiges, wortgewaltiges und spannendes Album.
Tenor: So wenig wie möglich beschönigen. Der Mikrokosmos will genau
durchleuchtet sein, oftmals erkennt man die Genialität des Album erst nach
mehrmaligem Durchhören. Und die punkige Grundeinstellung vom Label-Boss Daniel
Richter findet man darauf ebenfalls, was den Kreis wieder schliesst. Ein
Klassiker, wie die eingangs erwähnten Alben, ist „Alles brennt“ nicht geworden.
Dafür aber ein wichtiges Zeitdokument. ZM spielen am 14. April im Exil in
Zürich.
Donnerstag, 26. März 2015
Die Band mit Schwiegersohnpotential
Bilderbuch haben auf ihrem Album „Schick Schock“ ja so
einige klebrig-tolle Ohrwürmer. Sonnenbrillen, Talkbox, Gitarren ergeben dann
unter dem Strich ein Mix aus Indiepop und R’n’B. DJ Testa, ebenfalls aus
Austria, lud sich den Ueberhit „Maschin“ auf die Plattenspieler und bastelte
hier eine kleine Routine. Falco hätte es gefeiert.
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