Freitag, 20. März 2015

Augen auf und durch


Wer erinnert sich noch an die Neunziger und den Prinz von Bel Air? Wer erinnert sich noch wehmütig an die Nullerjahre mit den Sopranos? Neben den früheren, bekannten Strömen gibt es nun aktuell auch zunehmend eine Hinwendung zu Autorenserien, die noch dunkler und noch komplexer erzählt werden. Dies spricht dann auch die hochkulturellen Kreise an. Wie muss eine Serie konzipiert sein, dass sie erfolgreich wird? Welche Themen interessieren und berühren? Warum findet man den Draht zu einem dieser Charaktere und opfert einige Stunden dafür? Die nachfolgenden Serien verdienen unsere Aufmerksamkeit.

Better Call Saul
Was darf ein Spin-off überhaupt? Die Serie spielt zunächst in der Vergangenheit und zeigt einen erfolglosen Pflichtverteidiger. Die Handlung nimmt dann aber an Fahrt auf und vermag die „alten“ Fans wieder zu fesseln. Insgesamt ist die Serie komischer und leichter als „Breaking Bad“, verfolgt aber schlussendlich denselben Ansatz: Eine epische Dramaturgie. Optisch brilliant in Szene gesetzt irgendwo zwischen Wüste, Skaterpark und Wohngebieten. Kurz und bündig: Pflichtschauen für alle „Breaking Bad“ – Fans.

House of Cards
Frank Underwood ist fies, cool, berechnend und skrupellos. Dies alleine genügt bereits, um sich die Serie zu geben. Der begnadete Machtpolitiker spielt sein Spiel, während seine Konkurrenten noch nicht einmal ahnen, dass sie bereits verloren haben. Unter den bisherigen Staffeln, gibt es allerdings auch Schwankungen punkto Spannung und Drama. Filmisch gesehen ist HOC ein grosses Vergnügen. Die Kamera-Einstellungen, das Licht und die Schnitte sind auf hohem Level.

Sons of Anarchy
Lederjacken, knatternde Harley und endlose Highways. Tolle Illustration von einer sozialen Gruppe zwischen amerikanischem Traum und amerikanischer Realität. Die Rockergang sind die bösen Jungs, aber eben auch die guten Jungs. Alle SOA-Fans sind dankbar, dass Charlie Hunnam (spielt Jax Teller) die ihm angebotene Rolle, in diesem „Frauen-Liebesfilm mit diesem erfolgreichen Buch“ abgelehnt hat. Lieber etwas weniger Münz im Sack, dafür keine ruinierte Schauspieler-Karriere. Der Plot ist solide und die Filmmusik ist schlicht genial. Easy Rider für Fortgeschrittene.

Mad Men
Ein Sittengemälde aus dem Jahre 1960. Zu dieser Zeit arbeiten die wahren Rockstars an der Madison Avenue und sind in der aufstrebenden Werbe-Branche tätig. Der Kapitalismus ruft und will vermarktet werden. Schwangere die bedenkenlos rauchen und Whiskey sind omnipräsent. Es ist die wohl letzte, richtig elegante und natürliche Zeit: Männer tragen immer Hüte und Krawatten und die Frauen inszenieren sich noch ohne Botox. Die Serie ist sehr detailversessen: Jedes noch so kleine Accessoire erinnert exakt an diese Zeit. Throwback-Garantie.

Boardwalk Empire
Strandpromenaden-Kino von Martin Scorsese. Anfänglich traut man Steve Buscemi, eher bekannt als Darsteller von komischen Typen, die Hauptrolle nicht ganz zu. Im Laufe der Zeit nimmt diese allerdings sehr viel Raum ein. Mit viel Charisma. Sein Moralkodex reicht, ganz im Stile vom Standard der Popkultur-Gangster, von gut bis böse. Er ist charmant, machtbewusst und auch gütig. Optisch wuchtig ausgestattet mit viel Stil. Stichwort: Borsalino. Ein Mafia-Epos über die Prohibition, das einem gute Unterhaltung ins Haus bringt.

Magic City
Ein bisschen „Mad Men“ und ein bisschen „Boardwalk Empire. Diese Serie hat es jedoch nur aus einem Grund auf diese Liste gebracht: Die Aesthetik ist grandios und unübertroffen. Das Setting und die fantastische musikalische Untermalung sucht seinesgleichen. Tolle und schöne Menschen. Nur Supermodels und Supertypen, immer top gestylt und noch schöner inszeniert als in Mad Men. Das musst du erst mal schaffen. Die Kulisse „Miami“ passt wie die Faust auf’s Auge. Negativ: Die Dialog-Qualität ist tief – alles geht sehr slow-mo vonstatten. Du könntest nebenbei ein 5-Gänge Menü kochen oder ein Mixtape aufnehmen. Verpassen tust du nur wenig. Aber diese Bilder und Farben: Inspiration pur.

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