Die Beginner werden nach 13 Jahren wieder ein Album veröffentlichen. Der letzte gemeinsame Release war "Blast Action Heroes" und nun legt das Trio aus Hamburg nach. Die Platte soll auf den bedeutungsschwangeren Namen "Advanced Chemistry" hören und im August das Licht der Welt erblicken. Reminiszenz: 1987 gründeten in Heidelberg Torch, Toni L, Linguist, Gee-One und DJ Mike MD eine legendäre Hip Hop - Formation. "Advanced Chemistry" gehören in Deutschland zu den absoluten Szene-Pionieren. Grund genug den ersten Track aus dem kommenden Album genauer unter die Lupe zu nehmen. "Ahnma" ist eine Liebeserklärung an Hamburg. Zu Beginn ein dumpfes Dröhnen eines Schiffhorns. Direkt schiessen mir Bilder von einem Hafen durch den Kopf. Es riecht nach Fisch. Eizi eröffnet und setzt mit seinem Part ein.
"Der Veteran von der Reeperbahn,
Hab Hamburg hinter mir, als wär' ich Uwe Seeler, Mann"
Jan war ein Styler und bleibt ein Styler. In dieser Ecke fühlt er sich wohl und das ist gut so. Egal ob auf Reggae, Funk oder wasauchimmer. Sein Part geht durch wie eh und je und bietet gute Unterhaltung. Da ist nichts eingerostet oder stehengeblieben. Dann folgt eine Bridge. Die Beginner kennen halt auch Songstrukturen. Nicht einfach nur eine Bridge, nein, DIE Bridge. 187 am Start. Gzuz zerlegt diese kurz, prägnant und episch.
"Was los, Digga, ahnma',
Wie wir gucken, wie wir labern
Jeder sagt "Digga" heutzutage,
Wir packen Hamburg wieder auf die Karte"
Der Typ hat soviel Charakter in der Stimme. Bleibt im Ohr hängen wie nichts gutes. Versprochen. Job grandios erfüllt. Weiter geht es zur Hook. Mit Altmeister Gentleman. Ihn kann man mögen oder nicht. In seinem gewohnten Patois solid bestritten. Die Strassenbande hatte ja in letzter Zeit auch viel Dancehall auf'm Buckel von daher ist das Ganze relativ naheliegend. Trotzdem ist es Geschmackssache ob diese Kombination so, auf einem Beginner-Track, passt. Klar, die entsprechenden Zielgruppen wollen anvisiert sein. Zeit für Denyo seinen Part zu droppen.
"Was Rap ist in'ner Sinnkrise?
Guck, wie ich es hinbiege mit Armen wie Tim Wiese"
Bei seinem letzten eigenen Album (#Derbe, 2015) adaptierte er bezüglich Flow und Attitüde durchaus neue Trends, die da im Rap-Kosmos umherschwirren. Natürlich sind diese nichts für ein Beginner-Album. Das würde von den Fans nicht goutiert werden. Und so rappt er wie 1998 bei Bambule. Mal witzig, mal sozialkritisch oder dann auch mal einfach und zweckmässig. Im Outro wird dann noch ein Vocal-Cut vom Doktor abgefeuert. Ende Gelände. Fazit: Der Track macht auf jeden Fall Vorfreude auf die neue Platte. Vielleicht will er manchmal etwas zuviel und ist leicht überladen im Gesamten. Trotzdem vermag er viel Atmosphäre zu verbreiten und ist catchy auf seine Art und Weise. Fiese Basslinie, inklusive. So ganz nebenbei gab es dann hierfür auch noch die erste Top10-Platzierung in der Bandgeschichte. Füchse tun eben was Füchse tun müssen.

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