Sinan Stäheli alias CBN, Mitglied von Eldorado FM, releast aktuell sein zweites Solo-Album "Tourist". Zeit für ein Gespräch.
Tom: Der Album-Titel zieht sich mit verschiedenen Facetten wie
ein roter Faden durch das Album. Wie und warum bist du beim Thema „Tourist“
gelandet?
CBN: Zum einen sind die ersten Skizzen des Albums an den
unterschiedlichsten Orten Europas entstanden. Wir (Georg Gadient und ich) waren
viel unterwegs und haben unter anderem in Frankreich und in England Musik
gemacht. Dieser Geist zieht sich durch das ganze Album. Ich habe damals viel
fotografiert und die Mehrheit der Bilder im Artwork stammt aus dieser Zeit. Zum
anderen überkommt mich mindestens 8 Mal pro Tag das Gefühl eine Insel zu sein.
Das bezieht sich sowohl auf HipHop in der Schweiz als auch auf unzählige
Alltagssituationen. Diese Mischung aus beissender Fremdscham und dem Bedürfnis
schnellst möglich über alle Berge zu sein, ist mir über die Jahre ein treuer
Begleiter geworden. Es steckt ein gewisse Fluchtneurose in diesem Album, aber
selbstverständlich fand ich wie schon bei „Papillon“ auch einfach das Wort
„Tourist“ schön.
Tom: Welche Aspekte sind dir generell wichtig wenn du Texte
schreibst?
CBN: Am Ende geht es mir ausschliesslich um Ästhetik. Ich lege
sehr viel Wert auf Klang und Bildhaftigkeit und versuche, auch wenn ich immer
wieder an meinem Dilettantismus scheitere, eine eigene Sprache zu entwickeln.
Ich glaube meine Texte lassen viel Raum für Interpretation und der Hörer wird
bewusst im Regen stehen gelassen. Aber um das geht es mir am Ende auch. Ich
verachte jegliche schlecht formulierten Versuche Gesellschaftskritik auf plumpe
Art zu transportieren. Diese Phrasendrescherei, die in der hiesigen
Mundartszene vorherrscht, empfinde ich als grauenhaft. Das zentrale bei Rap ist
doch der Spass am Umgang mit der Sprache. Da steht kein akademischer Anspruch
dahinter, so meine ich das nicht. Aber Style zu haben, erachte ich als
dezidiert erstrebenswert.
Tom: Wenn ich die Featurings durchgehe fällt mir auf, dass der
Sänger Levin gleich auf 4 Tracks vertreten ist. Zudem hat er auch den grössten
Teil des Albums produziert. Er ist noch nicht allzu bekannt, ist aber ein sehr
versierter Musiker. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande?
CBN: Levin hat für's Eldorado-Album „Luke mir si di Vater“ zwei
Songs produziert. Auf diesem Weg kam der Kontakt zustande. Ich halte ihn für
eines der grössten Talente in der Schweizer Musikszene zurzeit und seine
Produktionen sprechen eine ganz eigene Sprache. Ich habe ihn ihm endlich
jemanden gefunden, der mich musikalisch perfekt ergänzt. Zudem hat er mich
während des Albumprozesses stark gefordert, was der Sache äusserst dienlich
war. Mittlerweile sind wir auch freundschaftlich sehr verbunden.
Tom: Mit Eldorado FM habt ihr vor einem Jahr unfassbar viel
verkauft. Aktuell hält sich Manillio hart in den Charts. Wie wichtig ist für
dich das Thema Charts?
CBN: Selbstverständlich freut es einen, wenn man auf grosse
Resonanz stösst. Zu sagen, es wäre nicht toll viel zu verkaufen, wäre ja
lächerlich. Allerdings bedeutet mir eine Chartplatzierung persönlich nicht sehr
viel. Man muss auch realistisch sein. Ich konnte zwar mit Eldorado FM sehr
grosse Erfolge feiern, aber als Solo-Artist war ich doch längere Zeit von der
Bildfläche verschwunden. Meine Musik ist ein ganz klares Nischenprodukt und
dementsprechend sind auch meine Ambitionen bezüglich Charts nicht gross. Ich
bin aber ziemlich glücklich über den Umstand, dass das Album bei
Künstlerkollegen sehr gut ankommt.
Tom: Wenn ich dich als Rapper analysiere stelle ich fest, dass
du nicht dem typischen Klischee entsprichst. Auch optisch. Ich finde das
spannend und du kokettierst auch damit. Zum Beispiel wenn du sagst „Chleider
wie en englische Grossgrund-Bsitzer“ oder „King vo de Chelsea-Boots“. Wie kam
es zu dieser Positionierung?
CBN: (lacht). Ach, es bleibt mir ja gar nichts anderes übrig als
damit zu kokettieren. Vor sechs oder sieben Jahren war ich halt der erste der
sich so anzog, das kann man sich heute schon fast nicht mehr vorstellen. Klar
biete ich so eine gewisse Angriffsfläche, dem bin ich mir bewusst. Aber für
mich ist das „sich selber feiern“ einer der Hauptpfeiler von Rap. Ich packe
diese Übertreibungen deshalb auch so gerne in meine Texte und polarisiere
dadurch. Wem dabei ein gewisses Augenzwinkern nicht auffällt, ist meiner
Meinung nach ein ziemlicher Dummkopf.
Tom: Bei deinem Album höre ich auch verschiedene Einflüsse. Was
hörst du privat für Musik?
CBN: Ich höre sehr viel unterschiedliche Musik. Klar, ich höre
sehr viel Rap, ich bin aber auch ein grosser Fan von elektronischer Musik.
Zuhause läuft bei mir viel Jazz und im Auto viel klassische Musik. Trance und
Heavy Metal gehen gar nicht, aber ansonsten bin ich sehr offen. Zurzeit höre
ich das neue James Blake Album. Das ist schlicht genial.
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