Ich komme aus einer Zeit wo wir als DJ's ausschliesslich mit Vinyl aufgelegt haben. Wir nahmen unser Erspartes oder unsere Gagen vom Wochenende und trafen uns am Mittwoch beim Plattenladen unseres Vertrauens. Mittwoch, weil da immer die aktuellsten Releases aus Amerika eintrafen. Es war wie ein kleines Klassentreffen. Wir fieberten Neuerscheinungen entgegen oder liessen uns schlicht überraschen was da den Weg zu uns in die Schweiz gefunden hatte. Für einen Longplayer bezahlten wir immerhin stolze 30 Franken. Für 12"-Singles oder White-Labels um die 15 Franken. Wieder zuhause legten wir die Scheiben sorgfältig auf die Plattenteller und lauschten andächtig den Klängen. Stolz mit dem Cover in der Hand. In den nächsten Tage beschäftigte sich dann jeder allein zuhause mit den Käufen und bastelte sein Set für's Wochenende. Dann kam die CD. Für uns als HipHop-DJ's damals nicht relevant.
Für den Musik-Konsumenten umso mehr. Und die Entwicklung ging Schritt für Schritt weiter. Jahre später wird das MP3-Format geboren. Und Napster wird quasi gleich mitgeboren. Musik auf den Rechner laden? Alles was man will jetzt und sofort? Ohne danach zu diggen? Das war verlockend. Und ist bis heute illegal. Mittlerweile sind wir beim Zukunftsmodell "Streaming" angekommen. Man besitzt die Musik nun gar nicht mehr selber und spricht von moderner Distributionsform.
Parallel dazu haben sich die Rahmenbedinungen für Musiker drastisch verändert. Grösstenteils verschlechtert. Vorallem für kleinere oder nicht-kommerzielle Acts. Es hat eine Entwertung von kreativen Werken stattgefunden. Viele Künstler können nicht von den offiziellen Downloads oder von Streaming leben. Was im Netz ist gehört allen und ist fast gratis. Was ist der Wert von Musik? Gerade versuchen Künstler, Labels, Vertriebe, Streaming-Services und Hörer sich anzunähern und die Grenzen auszuloten. Die Themen: Tantiemen und ein Abrechnungsmodell das durchschaubar und fair für alle Beteiligten ist. Wenigstens im Ansatz.
Die Digitalisierung beeinflusst fast alle unsere Lebensbereiche und verändert auch unser Denken und Handeln in kultureller Hinsicht. Positiv ist, dass es mit dem Streaming endlich ein legales Modell gibt, dass für viele Nutzer attraktiver ist, als die meisten illegalen Alternativen. Wenn eine signifikante Anzahl Nutzer gewonnen werden kann und sich zum Beispiel die Konsumenten von traditionellen Radios in Zukunft ebenfalls Streaming-Diensten zuwenden, könnte sich der effektive Wert von Musik wieder erhöhen. Der Musik-Markt könnte somit wieder zulegen. Ob und wie das dann den Künstlern zugute kommt ist aber natürlich offen. Muss alternativ ein Musiker sonst endlos auf Tour gehen? Der Künstler bzw. der Author steht doch eigentlich im Mittelpunkt des Schaffens, oder nicht? Musik sollte wieder mehr wertgeschätzt werden.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen